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Leseprobe Molungus Teil I – Eine dunkle Bedrohung

Viel Spaß!

Aus Kapitel 19 Vernichtender Zauber

Fünf Tage waren nun vergangen seit dem grausamen Mord. Meine Vision hatte sich noch nicht bewahrheitet, dennoch glaubte ich an das Erscheinen eines gewaltigen Sturms. Horus und Navalon hatten mich nicht wieder auf dieses Thema angesprochen, vielleicht hatten sie es schlicht nicht geglaubt. Die vielen ruhigen Tage deuteten darauf hin, dass ich mich getäuscht haben musste.
In den letzten Tagen waren oft Heiler in meine Kajüte gekommen, um mich zu versorgen. Man hatte mir erzählt, dass meine Brustverletzung von einer schweren Entzündung durchzogen war. Vollkommene Genesung konnte mir keiner garantieren. Doch meine Sorgen darüber, hatte Béleron oftmals zu mildern vermocht.
In den vergangenen fünf Tagen hatte ich viel Zeit mit ihm und Tamara verbracht. Wir hatten einige Werke aus Horus Sammlung studiert und ich war sogar einmal mit im Übungsraum am Heck des Schiffes gewesen, um kleine Zauber zu weben. Meine Zauber waren wegen meiner Schwäche nicht allzu kräftig ausgefallen, aber immerhin konnte ich die neuen Zaubersprüche ausprobieren.
Béleron und Tamara hatten viel mehr Zeit als ich im Übungsraum verbracht. Sie schienen sich sehr gut zu verstehen. Im Vertrauen hatte Béleron mir bereits erzählt, dass ihn ihr Äußeres ansprach, doch er hatte mir versichert, dass sie nur gute Freunde waren. Auch für mich war Tamara eine gute Freundin. Manchmal hatte es Momente gegeben, in denen ich mit ihr über den vermeintlichen Tod meiner Eltern sprechen konnte. Uns beide verband das gleiche Schicksal. Auch über meine Vision und die vielen Eindrücke in meiner Traumwelt sprach ich mit dem Mädchen. Ich lernte sie besser kennen und vertraute ihr all meine Sorgen an. Schon bald stellte ich fest, dass sie eine besondere Zuhörerin war.
Jetzt saß ich auf meinem Bett in der Kajüte. Eine kleine Kerze auf dem Beistelltisch spendete warmes Licht. Gespenstische Schatten tanzten an den Holzwänden entlang. Béleron lag in seinem Bett, mir gegenüber. Der blonde Magier durfte nun wieder in unserem Zimmer nächtigen. Die Heiler waren sich sicher, dass der Junge keinen schlechten Einfluss auf die Genesung meiner Verletzung haben würde. Vor einigen Tagen noch, bedurfte ich kompletter Ruhe.
Glücklicherweise war ich jetzt nicht mehr alleine. Da es schon spät am Abend war und man durch das Fenster nur noch Finsternis ausmachen konnte, wollten Béleron und ich schlafen. Lange Zeit hatten wir über den Krieg, unsere Zauberkünste und vieles andere geredet. Sogar auf den Sturm aus meiner Traumwelt war Béleron zu sprechen gekommen.
Seit Mittag herrschte starker Wind. Die Sonne war schon Stunden vor Einbruch der Nacht nicht mehr zu sehen gewesen, nur eine dicke, graue Wolkendecke. Auch das Wasser verhielt sich nicht mehr ruhig wie auf einem flachen See, deutlich spürte ich das Schaukeln des Schiffes. Es war kälter geworden. Der Sommer hatte in den Gewässern, die wir seit dem frühen Morgen befuhren, keinen Einzug gehalten. Man spürte, dass wir uns dem Norden näherten.
Schnell legte ich mich ins Bett und wickelte mir die Decke um den Leib. Ich wollte nicht an die eisigen Winde an Deck denken. In meiner warmen Decke würde ich davon eh nichts mitbekommen. Dennoch hatte ich ein ungutes Gefühl bei dem Gedanken an das schäumende Wasser. Die Geschehnisse meiner Vision konnten schließlich jederzeit eintreten.
„Mach dir nicht allzu viele Sorgen.“, sprach Béleron leise. Er hatte bemerkt, dass ich gerade darüber nachdachte.
Mit einem gequälten Lächeln drehte ich mich in seine Richtung. „Wenn ich über die Bilder meines Traums rätsele, komme ich nicht umhin mir Sorgen zu machen.“ Vorsichtig blies ich die flackernde Kerze aus. Sofort schlug die Dunkelheit über uns zusammen.
„Ich wünsche dir eine gute Nacht.“ Mit gemischten Gefühlen rollte ich mich im Bett zusammen. Es dauerte nicht lange, da war ich eingeschlafen.

Mitten in der Nacht schreckte ich hoch. Starker Regen prasselte gegen das kleine Fenster der Kajüte. Ich lag in völliger Dunkelheit auf der weichen Stoffunterlage, meine Decke lag irgendwo in der Finsternis.
Verschlafen blinzelte ich und rieb mir die Augen. Da mir kalt war, suchte ich unsicher greifend nach der wärmenden Wolle. Ich tastete über die rauen Holzplanken vor meinem Bett und fand schließlich meine Decke, ungefähr einen Schritt von meinem Kopf entfernt.
Gerade wollte ich mich wieder einrollen, da spürte ich ein unruhiges Schwanken des Schiffes. Immer noch prasselten dicke Regentropfen gegen das Fenster und übertönten alle anderen Geräusche. Mit einem mulmigen Gefühl schaute ich durch das Glas. Das Wasser rann in langen Fäden das Fenster hinab und ließ das Bild verschwimmen.
Auf einmal hörte das Prasseln auf und endete in einem dumpfen Platschen. Dunkles Meerwasser staute sich vor dem Glas, weiße Blasen schossen durch das salzige Nass. Dann erhob sich das Schiff wieder und erneut prasselte Regen gegen das Fenster. Mit pochendem Herzen stieg ich aus meinem Bett. Ein kalter Schauer ging durch meinen Körper. Die Luft hatte sich unglaublich stark abgekühlt. Wieder hörte das Prasseln des Regens kurz auf und das Fenster verschwand unter der Wasseroberfläche. Das Schwanken des Schiffes riss mich fast von den Beinen.
„Béleron?“, mit krächzender Stimme rief ich nach meinem Freund. „Béleron? Wach auf!“, rief ich noch einmal gegen das wiederkehrende Prasseln des Regens an.
Abwartend versuchte ich in der Finsternis Bélerons Bett auszumachen. Ein Blitz fuhr über den Nachthimmel und ließ das Zimmer hell aufleuchten. Dabei erkannte ich, dass das Bett des blonden Magiers leer war. Die Decke lag unordentlich auf dem Boden, nur das Kopfkissen ruhte noch auf der weichen Unterlage.
So schnell es ging, taumelte ich zur Tür. Dabei stützte ich mich an der Wand ab. Plötzlich stieß ich gegen etwas Hartes auf dem Boden. Ein sengender Schmerz durchdrang meinen nackten Fuß. Mit knirschenden Zähnen kämpfte ich mich weiter durch die Dunkelheit. Nach einigen vorsichtigen Schritten hatte ich die Tür gefunden. Fluchend griff ich nach der Klinke.
Helles Licht und dutzende Stimmen drangen auf mich ein. Blasse Schemen liefen in Richtung des Decks. Einige Türen der Kajüten flogen auf. Die Stimmen wurden lauter, vielzähliger. Geblendet schloss ich meine Lider.
Die Geräusche des prasselnden Regens und das Heulen des Windes drangen von allen Seiten auf mich ein. Ich spürte wie ich an den Schultern genommen und den Gang hinuntergeschoben wurde. Als ich meine Augen öffnete, erschien vor mir die Treppe zur geöffneten, schwarzen Tür. Verwirrt stolperte ich die Stufen nach oben. Meine Sicht klarte langsam wieder auf. Ich stand an Deck und begann die Geschehnisse zu realisieren.
Eisiger Regen peitschte mir ins Gesicht. Ohrenbetäubendes Rauschen umgab mich. Regentropfen und Gischt ließen mich gepeinigt die Augen schließen. Gewaltige Wassermassen rollten tosend gegen das Schiff. Fontänen schossen durch die Luft. Ein greller Blitz zerteilte den nachtschwarzen Himmel. Nur wenige Lidschläge später, schien es, als bräche die Welt auseinander, so laut folgte der Donnerschlag.
Panisch kniete ich mich nieder und schirmte mit einer Hand meine Augen ab.
Wo sind sie nur? Verstört blickte ich in das rege Treiben, in dem dutzende Elben die losen Gegenstände an Deck befestigten. Béleron und Tamara konnte ich jedoch nicht finden. Stattdessen sah ich meinen Mentor.
Horus stand inmitten des Durcheinanders. Mit seinen Armen wob er Runen in die Luft und versuchte das Wasser zurückzuhalten. Währenddessen liefen die Elben umher und sicherten das Schiff. Das Meer tobte, wütete und machte das Schiff zum Spielball der Naturgewalten.
Erneut erhellte ein Blitz den Himmel, keinen Augenblick später, donnerte es. Ich war bereits völlig durchnässt und fror. Der Wollumhang, der mich umgab, troff und vermochte es nicht mehr, mich vor der Gischt und dem eisigen Wind zu schützen.
Navalon versuchte das Chaos einzudämmen, doch es gelang ihm nicht. Riesige Wellen rollten gegen den Rumpf, und brachten das Schiff zum Schwanken. Ängstlich blickte ich zu Horus hinüber. Wird seine Magie das Schiff schützen können?
Ich sah wie Horus inmitten des Getöses in der Luft schwebte. Um ihn herum flimmerte eine rötlich schimmernde Kugel aus reiner Magie. Der Magier steckte immense Kraft in den Zauber. Glimmende Schlangen zuckten um die pulsierende Kugel. Er wollte die Mittagssonne vor der Gewalt des Sturmes schützen.
Doch plötzlich krümmte sich der Magier im Inneren des magischen Balls. Schlagartig färbte sich die rote Magie schwarz. Daraufhin brach ein düsterer Energieblitz aus der Kugel heraus. Die dunkle Magie krachte in die alten Holzplanken des Schiffes und durchschlug sie wie trockenes Geäst. Der Blitz hatte ein gewaltiges Loch in den Rumpf gestanzt.
Sofort strömte Meerwasser durch die Öffnung. Der sich weiterhin krümmende Horus schleuderte nun Energieblitze auf die flüchtenden Elben. Fauchend brannte ihnen die Magie das Fleisch von den Knochen. Das Gesicht des Magiers war kreidebleich. Unter seiner Haut zeichneten sich plötzlich tiefschwarze Adern ab. Abrupt hob er seinen Kopf und blickte mir in die Augen. Sein Blick war voller Hass und Entschlossenheit. Etwas hatte den Magier verändert. Dunkle Linien durchzogen das Weiß seiner Augen. Langsam streckte mir der alte Mann seine Hand entgegen.
Da bemerkte ich die eiskalte Wasserwand, die sich mir näherte. Ich wollte mich in Sicherheit bringen, doch es war zu spät. Die monströse Welle griff nach mir und schleuderte mich von Deck. Mir wurde die Luft aus den Lungen gepresst und ich spürte die eisige Kälte des Wassers. Ich verlor jegliche Orientierung und strampelte panisch mit den Beinen um dem Sog zu entkommen, doch es gab keinen Ausweg aus dem endlosen Schwarz.

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